Brand - Dienstag, 06.07.2010 08:39

Keine Feuerwehr ist davor geschützt!
So verhielt es sich auch in einem Fall vor dem Landgericht Kassel. Drei Jahre und drei Monate Freiheitsentzug erhielt ein ehemaliger Feuerwehrmann aus Immenhausen als Strafe. Das Landgericht Kassel sah es als erwiesen an, dass der damals 25-jährige Feuerwehrmann seit 2008 fünf Brände gelegt und dabei einen Schaden von rund einer Million angerichtet hatte.
Im Mai 2010 hatte ein früherer Feuerwehrmann 29 Brandstiftungen in Bad König und Umgebung gestanden. Der Gesamtschaden wurde auf 300.000 Euro taxiert. Ziel der Brandstiftungen waren vor allem leer stehende Häuser, Lagerhallen, Scheunen, Gartenhütten und Holzstapel. Ob der Mann auch für weitere ungeklärte 23 Brände verantwortlich ist, prüft die Polizei.
Einen Schlussstrich konnte die Polizei Hamburg in diesem Jahr unter eine Brandserie ziehen. Nach mehreren Bränden in Langenhorn hat die Polizei im Mai einen mutmaßlichen Täter festgenommen. Der 30-Jährige, offenbar Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, hat zu Bränden an einem Carport, zwei Autos und zwei Gartenlauben ein Geständnis abgelegt. Hierbei gab er auch weitere vier Brandstiftungen im Jahr davor zu an Garagen, Partyzelten sowie Plastiktonnen. Bei der letzten Aktion griff das Feuer auf ein angrenzendes Wohngebäude über und beschädigte dieses schwer. Der Beschuldigte gab ferner zu eine Brandstiftung an einem Reetdach in 2001 begangen zu haben.
Spurensuche ist Puzzlearbeit - Täter fühlen sich sicher in den eigenen Reihen!
Die Kriminalpolizei Mühlhausen war einem verdächtigen Feuerwehrmann über einem Jahr auf der Spur. Sie prüften die Einsätze der Feuerwehr des Ortes und stellten bald fest, dass einer der freiwilligen Kameraden fast nie ein Alibi hatte. Die Brandkarriere des heute 26-Jährigen begann mit kleineren Feuern bis zu dem Tag, wo er die Firma in Brand steckte, bei der er selbst arbeitete. Zuvor zündete er im Februar das Sägewerk des Bürgermeisters an. Bei den Bränden war er immer vor Ort und löschte fleißig mit. Eine fast zwei Jahre andauernde Serie von 18 Bränden ging so in diesem Jahr zu Ende.
Auch in Castrop-Rauxel waren die Feuerwehrleute Anfang des Jahres geschockt. Gegen ein 21-jähriges Mitglied des Löschzugs aus Merklinde wurde ein Haftbefehl vollstreckt.
Wie schwierig es ist, mit Tätern in den eigenen Reihen umzugehen, zeigt ein Bericht der Bild-Zeitung. Der Leiter der Feuerwehr in Edersleben im Südharz, Renato Weidemann musste aufgrund von Personalmangel einen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilten Brandstifter aufnehmen. Im Herbst 2007 war der jetzt 20-jährige Harzer noch verurteilt worden. Die Entscheidung der Freiwilligen Feuerwehr zog dementsprechend viel Kritik nach sich.
Konkrete Statistiken zur Vermeidung eines Imageschaden fehlen!
Eindeutige Studien und Statistiken sollten in einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum gesammelt werden. In der Studie geht der Autor Frank D. Stolt von einem sich verschärfenden Problem aus. Es fehlt aber an konkreten Zahlen der Landesfeuerwehrverbände und Berufsfeuerwehren die die aufgestellten Thesen belegen oder entschärfen könnten.
Eine bundesweite Statistik zu den Tätern in den eigenen Reihen, fehlt. Der Anteil von Feuerwehrleuten unter den Brandstiftern bleibt daher auch umstritten, was denn eher auch Spekulationen fördert, als sie zu verhindern.
Tatsächlich liegt die Beteiligung der Feuerwehrmänner an den aufgeklärten vorsätzlichen Bränden wohl weit unter einem Prozent. Aber auch das ist nur eine Schätzung der Landesfeuerwehrverbände.
Dass die Feuerwehren mit dieser Thematik emotional weitaus schwerer belastet sind, als ein Wirtschaftsunternehmen, bei dem man schlichtweg von Mitarbeiterkriminalität sprechen würde, wird deutlich, wenn man an die Opfer und vernichteten Vermögenswerte in einem Brandfall denkt.
Brandursachenuntersuchung - Schlüssel zu mehr Kontrolle!
Der Schlüssel zu mehr Kontrolle und Aufklärung liegt ausschließlich in der Verbesserung der Brandursachenuntersuchung. Die Zahl der Kriminalisten
und deren Ausbildung mit Spezialkenntnissen sinkt jedoch bundesweit, so der BDK.
Nach einem von Crimereport vorgenommenen 20-Jahresvergleich werden durchschnittlich 24.125 Fälle der Brandstiftung mit einer Aufklärungsquote von 50,7% erfasst.
In den Fällen der vorsätzlichen Brandstiftung liegen nach der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) die Aufklärungsquoten bei rund 35%, so dass eine
beunruhigende Dunkelziffer bleibt.
Kritisch ist, wenn hierzu in "Wikipedia" der Eindruck erweckt wird, dass der Großteil der kriminellen Handlungen der Brandstiftung dem Versicherungsbetrug oder der Vertuschung anderer Straftaten (etwa Einbruch, Unterschlagung) dient, obwohl der überwiegende Teil (immerhin 65 Prozent pro Jahr in nahezu 20 Jahren), amtlich als nicht aufklärbar hingenommen wird.
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