Diebesgüter - Montag, 27.06.2011 08:08

Die Ermittlungen, geführt von der Staatsanwaltschaft Deggendorf, richteten sich gegen eine größere Gruppierung in Tschechien, die im Verdacht steht eine kriminelle Vereinigung gebildet und aus dieser heraus in den zurückliegenden Jahren schwere Bandendiebstähle begangen zu haben.
Bei der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben KPI(Z) des Polizeipräsidiums Oberpfalz befasst sich schon geraume Zeit eine speziell dafür geschaffene Ermittlungsgruppe mit diesem zumindest seit 2009 andauernden kriminalpolizeilichen Phänomen. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich überwiegend um tschechische aber auch andere osteuropäische Staatsangehörige. Auf der Grundlage nationaler Haftbefehle, erlassen durch das Amtsgericht Deggendorf, war es der Staatsanwaltschaft Deggendorf möglich Europäische Haftbefehle zu erstellen.
Die richteten sich gegen sechs in Tschechien wohnhafte Männer im Alter von 31 bis 43 Jahren. Sie stehen im Verdacht als Organisatoren der Fahrzeuglegalisierungen oder als „Umfrisierer“ in der kriminellen Vereinigung tätig gewesen zu sein. Durch die zeitintensive, enge und aufeinander abgestimmte Ermittlungsarbeit mit den Sicherheitsbehörden in Tschechien und Österreich war es gelungen der kriminellen Vereinigung auf die Spur zu kommen und die Diebstähle, Unterschlagungen und Verschiebungen ins osteuropäische Ausland nachvollziehen und dokumentieren zu können.
Bei ihren überwiegend in Deutschland ausgeführten Taten hatten sich die Verdächtigen auf hochwertige Fahrzeuge der Marken BMW, Audi, Mercedes und Porsche konzentriert.
Nach dem bisher gewonnenen Kenntnisstand hat sich die von Tschechien aus agierende Bande auf die Diebstähle hochwertiger Kraftfahrzeuge spezialisiert, um damit eine dauerhafte Einnahmequelle von nicht unerheblichem Umfang für sich zu sichern.
Die „Nobelkarossen“ manipulierten die Beschuldigten so, dass ihre eigentliche Herkunft verschleiert und sie somit unauffällig, überwiegend in den tschechischen Wirtschaftskreislauf gelangen konnten.
Die Tatsache, dass einige der Verdächtigen Kenntnisse als Kfz-Mechaniker etc. haben erleichterte dies.
Der Gruppierung können derzeit wenigstens 42 Delikte des schweren Bandendiebstahls, der veruntreuenden Unterschlagung und der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei angelastet werden.
Etwa die gleiche Zahl von Diebstählen und Unterschlagungen hochwertiger Kraftfahrzeuge steht im Raum, wodurch sich die eingangs erwähnte Schadenshöhe ergibt.
Zwei der Fälle, die auf das Konto der Bande gehen seien hier exemplarisch erwähnt:
Drei BMW der Typreihen X 5 und X 6, im Gesamtwert von ca. 150.000 Euro, entwendete die Gruppierung in der Nacht vom 30/31.12.2008 von einem Firmengelände in der Dr.-Georg-Schäfer-Straße in Furth im Wald/Lk. Cham/OPf. Dort waren die Fahrzeuge bereitgestellt um von Speditionen weitertransportiert zu werden. Ein Autohaus in der Haunstetter Straße in Augsburg war in der Nacht vom 13/14.04.2010 das Ziel. Hier war es ein BMW X 5 im Wert von etwa 50.000 Euro, den die Täter aus dem umfriedeten Gelände schafften und dann nach Tschechien verbrachten. Die nötigen Kennzeichen entfernten die Täter von einem unweit des Tatortes abgestellten Wagen.
Nach entsprechenden „Modellierungsarbeiten“ wurde der BMW in Tschechien zugelassen.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Polizeibeamte das Fahrzeug vier Monate später in Prag sicherstellen konnten.
In den frühen Morgenstunden des 24.05.2011 schlugen die Ermittlungsbehörden unterstützt von Beamten des Bayer. Landeskriminalamtes in einer konzertierten, länderübergreifenden Aktion zu. Der KPI (Z) des PP Oberpfalz standen dafür etwa 100 Einsatzkräfte zur Verfügung.
Deren Aufgabe war es Durchsuchungs- und Festnahmeaktionen vorrangig in den Großräumen Prag (Praha), Pilsen (Plzen), Karlsbad (Karlovy Vary) und Aussig (Usti nad Labem) durchzuführen.
Plattform für den Zugriffserfolg im Hinblick auf die über einen Zeitraum von zwei Jahren geführten intensiven Ermittlungen war die zielgerichtete Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden in Usti nad Labem, Prag, Pilsen und Ostrava sowie der "Zentralen Ermittlungsbehörde in Tschechien zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (UOOZ), dem Pendant zur KPI (Z) des PP Oberpfalz, als auch den tangierten Staatsanwaltschaften beider Länder.
So konnten sechs Europäische Haftbefehle vollzogen und dreizehn Objekte durchsucht werden. Die sechs Tatverdächtigen wurden in örtliche Justizvollzugsanstalten verbracht, ihre Auslieferung nach Deutschland hat die tschechische Justiz bereits signalisiert. Bei den Durchsuchungen stießen die Fahnder auch auf mehrere hochwertige Fahrzeuge deutscher Hersteller.
Hier deuten die ersten Überprüfungen darauf hin, dass sie aus Diebstählen stammen. Auch Computer, eine Vielzahl von Dokumenten und technische Geräte zur Fahrzeugverfälschung sowie Bargeldbeträge im sechsstelligen Eurobereich stellten die eingesetzten Polizeikräfte aus beiden Ländern sicher.
Zeitgleich mit den von der KPI(Z) Oberpfalz initiierten Zugriffen starteten auch die etwa 130 tschechischen Polizeikräfte im Bereich von Pardubitz (Pardubice) eine nationale Durchsuchungs- und Festnahmeaktion. All dies war minutiös so abgestimmt, da schon im Vorfeld Verflechtungen und Zusammenhänge der Tatgeschehen, was beteiligte Personen und Strukturen betrifft, erkennbar waren.
Sondereinsatzkräfte nahmen 12 Tatverdächtige im Alter von 30 bis 42 Jahren fest, gegen vier von ihnen ergingen Haftbefehle. Die Beamten stellten mehrere Autos, eine Schusswaffe, gefälschte Fahrzeugdokumente, gestohlene Fahrzeugteile und Tschechische Kronen in zweistelliger Millionenhöhe sicher.
Durch diese akribisch abgestimmten und mit lageangepasstem personellen Aufwand vorgenommenen Aktionen gelang es einen empfindlichen Schlag gegen die europäische Kfz-Kriminalität zu führen. Die Ermittlungen dazu werden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.
Tags: Autodiebstahl, Autoschieberbande, Beutezug, Diebstahl, Diebstahlradar, Fahndung, Sicherstellung
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