Diebstahl - Freitag, 28.08.2009 16:12

Allein im Kanton Zürich wurden in 2006 bereits 140 Diebstähle dieser Machart registriert. Die Serie blieb auch in 2007 mit 143 Vorgängen ungebrochen. Die Spitze lag bei fünf Diebstählen in der Woche, wobei Schäden zwischen 100.000 und 700.000 Franken entstanden.
In Deutschland schien nach spektakulären Festnahmen in 2006 die Serie unterbrochen zu sein. Nach dem einige Haupttäter geschnappt wurden stagnierte schlagartig das Einsteigen in die Arztpraxen. Ganze Serieneinbrüche wie in Karlsruhe mit 30 Fällen von Januar bis Juli blieben die Ausnahme. Untätig waren die Diebe aber nicht.
Sie konzentrierten sich auf die Schweiz, dann Österreich und seit Mai 2009 auch wieder auf Deutschland. Im Mai schlugen sie in Rudolstadt und Sömmerda zu und klauten zahnärztliches Equipment von fast 50.000 Euro. Kurz danach zwei Einbrüche in Bremen mit einem Schaden von 200.000 Euro und zuletzt in Eltmann sowie Würzburg mit je 35.000 Euro.
Eine Recherche des Landeskriminalamtes Sachsen ergab schon im September 2008, dass die Täter wieder aktiv werden. Von Januar 2006 bis Juni 2008 konnten 1.331 Diebstahlfälle in Arzt- und Zahnarztpraxen festgestellt werden. Bei 285 Vorgängen blieb es beim Einbruchsversuch.
Im Juli räumten Diebe Geräte im Wert von 70.000 Euro aus einem Krankenhaus in Oberwart im Burgenland (Österreich) ab. Ein Parallelfall wird auch aus dem Spital in Hainburg gemeldet. Die Diebe hatten sich für Endoskope zur Darmspiegelung interessiert.
Trotz der umfangreichen Informationsbroschüren zur Sicherung der Objekte und Hilfestellungen der Beratungsstellen der Polizei, hat sich in puncto Sicherheit nicht viel bewegt. Im Grunde nutzen die meisten Täter nach wie das leichte Einbruchbesteck. Mit einem kräftigen Schraubenzieher werden Türen und Fenster ausgehebelt.
Die wertvollsten Bedieneinheiten, Motorschläuche und Handstücke aus Titan sind von den Behandlungsstühlen der Zahnärzte schnell abmontiert. PC, Laptop und sonstige Wertgegenstände werden gerne als Zubrot mitgenommen.
Niemand kann genau sagen, was dann mit den Patientendaten geschieht. Vielleicht werden hier ähnlich dem Einsatz der Skimming-Verfahren an Geldautomaten neue Krankenkarten geklont. Wer kontrolliert schon genau wer da zum Arzt geht oder sich ins Krankenhaus legt.
Durch die kassenärztlichen Verrechnungsverfahren erfahren die Versicherten vielleicht nie wie gut ihre Behandlung gewesen ist.
Fazit: Keine Entwarnung!
Der Markt für gestohlenes medizinisch technisches Gerät scheint nach wie vor von besonderem Interesse zu sein. Die doch recht niedrigen Aufklärungsquoten sprechen dafür, dass bandenmäßig organisierte Strukturen bis zur Verwertung im Bestimmungsland vorhanden sein müssen. Für Beutezüge sind genügend schlecht gesicherte Arztpraxen vorhanden. Das Entdeckungsrisiko ist aufgrund der offen Grenzen und Rückzugsgebiete gesunken und die Zuordnung offensichtlich gestohlener Geräte sowie Bedienteile bereitet dem Ermittler erhebliche Schwierigkeiten.
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