Prävention - Mittwoch, 16.09.2009 00:11

Lageeinschätzung
Das sich die Kriminalität stark im Wandel befindet ist in allen Beiträgen deutlich geworden. Nicht nur der globalisierte Markt und die schrankenlosen 27 EU-Mitgliedsstaaten bringen neue Probleme, sondern das gesamte Täterverhalten von der Planung bis zur Durchführung der Tat, hat sich rasant verändert.
Mit der veränderten Kriminalitätslage steigen gleichzeitig die Beweisanforderungen der Staatsanwaltschaften und Gerichte. Das Arbeitsvolumen pro Fall ist extrem gestiegen, insbesondere in der Sicherung und Auswertung von Telefon- und Rechnerdaten.
Als erstes Teilergebnis mussten die Politiker mitnehmen, dass kein Aufschub der Entscheidung zur Umsetzung einer speziellen und baldigen Aus- und Fortbildung von Experten mehr möglich ist, die einerseits Entlastung bringt und dem dynamisch wachsenden Markt der Computer- und Internetkriminalität gerecht wird.
Überalterung
Der Innenminister musste dann auch bestätigen, dass der von seinem Ministerium selbst in Auftrag gegebene Altersstrukturbericht einen dringenden Handlungsbedarf ergeben hat. Der von Politikern gern zitierte Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik verhalf ihm nicht darüber hinweg zu täuschen, dass hierüber keine seriöse Hochrechnungen zum tatsächlichen Dunkelfeld möglich ist. Für NRW steht damit fest, dass die Überalterung im Bereich der Kriminalpolizei zu drastischen Engpässen führen wird, zumal der Nachersatz nicht so schnell ausgebildet und einsatzfähig ist.
Engpässe, Beweisanforderungen und Risiken
Mit rund 9.000 nicht ausgewerteten Spurenträgern ist belegt, dass heutzutage schon gewaltige Engpässe bestehen und Sicherheitslücken nicht mehr geleugnet werden können. Die Rückstände bei den Auswerteeinheiten der Computer- und Internetkriminalität sind zusätzlich gewaltig angewachsen, so dass hier der Begriff der Datenfriedhöfe auf Seiten der Kriminalpolizei erlaubt ist.
Ohne diese gerichtsverwertbaren Auswertungen kann häufig weder der Tatplan, Tatmuster noch deren Komplexität und Kausalität den Staatsanwaltschaften oder Gerichten vermittelt werden.
Für die Beratung am Bürger, der Opfer einer Internetabzocke oder einer Skimming-Attacke am Geldautomaten wurde, bleiben dem Spezialisten gerade einmal 15 Minuten. Im Oberbergischen Kreis befasst sich ein Kriminaler mit 800 Vorgängen.
Politik muss Antworten geben
Keine Antworten hatte der Minister auf die Fragen des Wissenstransfer vor der Verrentung, obwohl er einräumen musste, dass Erfahrungwissen ein geringeres Maß an Unsicherheiten mit sich führen und bei jungen Kriminalen sich erst im Verlauf der Tätigkeit kriminalistische/kriminologische Sucheigenschaften heranreifen.
Insoweit muss die Politik eine Antwort finden, die aus einer modelltheoretischen Betrachtung der Ausbildung eines Kriminalbeamten herausführt, hin zu einer praxisorientierten informations-ökonomischen Unsicherheitsreduktionstrategie für das Land NRW und dessen Bürger.
Millionengrab IGVP
Das Aus für das integrierte Vorgangs- und Bearbeitungssystem der Polizei (IGVP), welches vor Jahren aus Bayern importiert und auch in Thüringen noch eingesetzt wird, wirft Fragen auf zu den Ausgangshypothesen, der prozessbezogenen Beratungstiefe, den hieraus formulierten Effizienzanforderungen und der vor einem Start eingesetzten multivariaten Testverfahren.
Noch so einen millionenschweren Probeversuch mit Poliks (Polizeiliches Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung) ka weder ein Innenminister noch die ohnehin gebeutelte Landeskasse leisten.
Unüberhörbare Forderungen
Die Forderung der Delegierten zu einer dynamischen Perspektive und einer Vertrauensgarantie für ihren Berufsstand war unüberhörbar. Der BDK hatte dann auch gleich den Mehrjahresmasterplan zu einem Bachelorstudiengang „Kriminalwissenschaften“ ausgearbeitet. Dieser wurde dann auch zur Überraschung des Innenministers persönlich überreicht.
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