Versicherungsbarometer - Dienstag, 13.10.2009 13:17

Aufklärung dringend notwendig
Auch die Experten des Betrugsaufklärungszentrum (www.bld.de) und Manfred Göth als Sachverständiger eines Kriminaltechnischen Prüflabors (www.goeth.com) bestätigen, dass der Versicherungsbetrug schon seit langer Zeit Konjunktur hat und eine Sanktionierung durch die Versicherer und Justiz dringend erforderlich ist. Ein mulmiges Gefühl bleibt, wenn die Experten schon davon sprechen, dass 8 von 10 Bränden durch den Besitzer gelegt werden. Die Aufklärungsquote zu diesen vorsätzlichen Delikten liegt aber seit 20 Jahren nur etwas über 35 Prozent, so dass zu vermuten steht, dass sich hier ein Milliardengeschäft zu Lasten der braven zahlenden Bürger aufgetürmt hat.
Aufklärung zum Nulltarif gescheitert (Wasch mich, mach mich bitte aber nicht nass)
Die Versicherungsbranche hat längst erkannt, dass mit dem Einsatz raffinierter Systeme zur Betrugserkennung eine Eindämmung allein, insbesondere bei der bandenmäßigen und organisierten Kriminalität nicht möglich ist. Auch hier werden die Fehler der letzten Jahre offensichtlich.
Zum Nulltarif lässt sich Sicherheit nicht erzielen. Neben der Aus- und Fortbildung fehlt vielen Mitarbeitern einfach die Zeit um schwierigste komplexe Betrugsaufklärung neben der allgemeinen Bearbeitung zu erledigen.
Schon aus diesem Grunde verliert die Versicherungsbranche einen erheblichen Anteil an den Prozessen. Die Erfolgsquote der R+V ist in der Tat bemerkenswert.
Kundenzufriedenheit
Zum Wohle der vielen zahlenden Kunden kann man nur hoffen, dass der Wille zur qualifizierten Schadenaufklärung sich etabliert, damit Experten auch quantifiziert einen Betrugsvorwurf erheben können.
Kritik am Regulierungsverhalten wird laut
Die Kritik lässt bekanntlich nicht lange auf sich warten. Der Vorwurf, dass die Versicherer in Österreich und Deutschland deutlich restriktiver regulieren, ist unüberhörbar. In Österreich waren es zuletzt die Hagelschäden und die von der Nichtregulierung bedrohten Dachdeckerbetriebe.
In Deutschland beklagt der Verband der Versicherungsmakler (VDVM), dass immer öfter versucht werde nach großen Versicherungsschäden die Zahlungen zu drücken und vor allem auch zeitlich zu verzögern. Außerdem dauere die Schadenregulierung oft länger als sechs Monate und die Versicherer würden auf der Schadenseite aufrüsten, während sie bei der Beratung abrüsten.
Ins gleiche Horn stößt auch der Deutsche Anwaltsverein. Die Versicherer würden sich öfter auf kleinste Pflichtverletzungen stürzen um auch nach dem neuen VVG den Wegfall des Alles-oder-Nichts-Prinzips kompensieren zu können.
Lösung
Die Bekämpfung des Versicherungsbetruges ist grundsätzlich in unser aller Interesse, damit Risiken versichert werden können und Versicherungsbeiträge auch bezahlbar bleiben. Aus dem singulären Ereignis der Finanzkrise darf aber nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass wir ein Volk von Versicherungsbetrügern sind oder werden.
Die Versicherungswirtschaft ist nach der überwiegenden Meinung der Bevölkerung einer der wichtigsten Problemlöser im Schadenfall. In dieser Funktion hat er berechtigte Ansprüche ohne wenn und aber zu regulieren.
Unberechtigte Ansprüche sind „hart aber fair“ zurückzuweisen und durch Kostenregresse sowie Strafanzeigen zu sanktionieren.
Transparenz und Glaubwürdigkeit
Zu Transparenz und Glaubwürdigkeit gehört die Nachhaltigkeit. In der Krise besinnen sich die Versicherer wieder auf diese Tugenden wie der zuletzt veröffentlichte Ausbildungsatlas (www.ausbildungsatlas.com) eindrucksvoll belegte.
Die Versicherungswirtschaft sorgt sich zu recht um den Verlust der Kontrolle und kann sich nicht mehr auf das Nötigste beschränken. Der Sparkurs bei nicht direkt produktionsrelevanten Stellen, insbesondere in der Schaden- und Betrugsaufklärung muss neu überdacht werden.
Betrugsbekämpfung in den eigenen Reihen
Hierzu gehört auch die Betrugsbekämpfung in den eigenen Reihen, damit das Sicherheitsgefühl der Kunden an einer guten Partnerschaft wieder überwiegt. Den Kunden muss glaubhaft vermittelt werden, dass nur bei harten Fakten von Versicherungsbetrug gesprochen wird und der Versicherungswirtschaft nicht die Feststellung einer Täterschaft obliegt, sondern das im Gewaltenmonopol des Staates zu erledigen ist.
Zahlen, Daten und Fakten
Hut ab für den Mut der R+V sich konkret mit Zahlen, Daten und Fakten zu äußern. Diesen Mut haben nur die wenigsten Versicherer, obwohl die drastischen Folgen von steigenden Betrugszahlen, wenn sie denn quantifiziert werden können, jedem einleuchten.
Eine vernünftige Abwehr stärkt eher das Sicherheitsgefühl der Kunden, insbesondere in die Sicherung ihrer Beiträge und der Leistungen im konkreten Schadenfall.
Pressearbeit und Krisenmanagement
Der Alltag in der Korrespondenz mit den Pressestellen erwirkt den Eindruck, dass dort der Versicherungsbetrug nach wie vor als Tabuthema behandelt und konkreten Fragen mit Ausreden begegnet wird.
Auch hier muss die Versicherungswirtschaft noch viel lernen, zumal die Hochrechnungen zu einem Verlust von jährlich 4 Milliarden schon seit 2002 kursieren. Es sind keine feststehenden Fakten, sondern lediglich Daten einer Befragung die durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführt wurde. Diese Gfk-Studien sind überaltert und stehen im krassen Widerspruch zu dem greifbaren Hellfeld des Versicherungsbetruges in der polizeilichen Kriminalstatistik. Danach kommen wir bundesweit auf weniger als 5.000 Vorgänge.
Wenn die Versicherungswirtschaft über wesentlich mehr Fälle verfügt, dann spricht nichts dagegen diese auch publik zu machen und in einer Gesamtstatistik zu erfassen und ähnlich der Vorfälle in den eigenen Reihen unter die Kontrolle der Aufsichtsbehörde (BaFin) oder des Ombudsmann zu stellen.
Nach neutraler Prüfung dürfte auch nichts dagegen sprechen, diese Daten in einer Hinweisdatei zu erfassen, damit sich der Versicherer nicht schutzlos einem Wiederholungsfall ausgesetzt sieht und ein Sicherheitskreislauf unter den Finanzinstituten institutionalisiert wird, der letztendlich die Versicherungsbestände schützt.
Hinweis- und Informationssystem
Inwieweit das neue Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft diese Gedankenspiele zu mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit bis 2011 beinhaltet, bleibt abzuwarten, zumal bisher nur der Düsseldorfer Kreis als Gremium der Landesdatenschutzbehörden, die Verbraucherschützer und die drei im Angebotswettbewerb stehenden Wirtschaftsauskunfteien nähere Details kennen. Eine öffentliche Ausschreibung des zweistelligen Millionenprojektes hat in der EU nicht stattgefunden, so dass die Verbraucher erst in 2011 nähere Detailinformationen erwarten können.
Klare Linie fehlt
Dass die Versicherungswirtschaft noch keine klare Linie gefunden hat, zeigt auch der heutige Artikel in der Wiener Zeitung. Auch der frühere Kripo-Chef der Wiener Polizei und spätere Leiter des Versicherungsbüros zur Bekämpfung des Versicherungsbetruges im Versicherungsband (VVO) sieht die Lage kritisch. Die österreichischen Versicherer, voran die Generali haben offensichtlich kein Problem mit dem Versicherungsbetrug, wobei sie andererseits auf der Homepage in Deutschland gerade ihr Betrugsabwehrzentrum überall unter Servicegesichtspunkten präsentieren.
Weitere Artikel finden Sie unter:
www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx
http://www.crimereport.de/news/artikel/351/
http://www.crimereport.de/news/artikel/345/
http://www.crimereport.de/news/artikel/278/
http://www.crimereport.de/news/artikel/286/
http://www.crimereport.de/news/artikel/283/
http://www.crimereport.de/news/artikel/261/
http://www.crimereport.de/news/artikel/256/
http://www.crimereport.de/news/artikel/231/
http://www.crimereport.de/news/artikel/161/
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Weitere Meldungen: Fahndung & Sicherstellung
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