Kinder & Familie - Freitag, 20.11.2009 13:50

Schnell rutscht dem Opfer ein Name heraus, den der andere dann aufgreift. „Ich bin übrigens erkältet, vielleicht hast du mich deshalb nicht gleich erkannt!“ soll dann letzte Zweifel ausräumen. Meist befindet sich der oder die Enkel/in, der Neffe, die Nichte, der Bekannte oder als was auch immer die Anruferin oder der Anrufer sich ausgibt, in einer Notlage und braucht dringend und nur für kurze Zeit Geld (meist viele Tausend Euro, „Die kriegst du auch morgen/übermorgen wieder!“), sonst wäre die Wohnung, das tolle Auto, die Lieferung oder das bereits angezahlte Geld verloren.
Die meisten Seniorinnen und Senioren wollen auch helfen und sind sogar meist bereit, die geforderte Summe von der Bank zu holen. Danach kommt dann ein Bekannter des Anrufers vorbei (selbstverständlich nicht der Anrufer selbst, sonst würde der Betrug gleich auffliegen) und holt das Geld ab – und weg ist es. Seit Jahren funktioniert diese Masche immer wieder. Aber zum Glück werden viele Seniorinnen und Senioren auch schneller misstrauisch und behalten ihr Geld.
In Mainz klingelte am Montag, den 16.11.2009, das Telefon einer 66-jährigen Mainzerin und eine Stimme fragte: „Weißt du nicht mehr, wer ich bin!“ Sie tippte auf einen guten Bekannten und sprach dessen Namen aus, worauf der Fremde direkt einging. „Ja, genau!“ Er wäre etwas erkältet und brauche dringend Hilfe. Er hätte eine Wohnung gekauft und benötige deswegen sofort 12.000 Euro. Ob sie ihm helfen könne ? Selbstverständlich ! Die Mainzerin fuhr zur Bank, hob das Geld ab und wurde erneut angerufen. In diesem Gespräch fielen ihr dann doch einige Dinge auf, die für ihren Bekannten untypisch sind. Also fuhr sie erst einmal nach Hause und rief nun ihrerseits ihren Bekannten an, um das Geldthema noch einmal zu besprechen.
Der echte Bekannte fiel natürlich aus allen Wolken und wusste nichts von einem Wohnungskauf... Die Mainzerin schaltete die Polizei ein. Der Täter meldete sich nicht mehr, er hatte wohl das aufkommende Misstrauen gespürt. Eine weitere Anzeige kam von einer 82-jährigen Mainzerin Anfang November. Sie war am 03.11.2009 angerufen und mit einer ähnlichen Masche in ein Gespräch verwickelt worden. Der Anrufer erzählte von seiner Zwangslage und dass er dringend 20.000 Euro brauche. Die Seniorin sagte, da müsse sie erst zur Bank, und begann ein paar Fragen zu stellen, woraufhin der Täter auflegte...
In Worms (wir berichteten) waren im gleichen Zeitraum ebenfalls Enkeltrickbetrügereien angezeigt worden. In drei Fällen war es den Tätern gelungen, hilfsbereite Seniorinnen bis zur Geldübergabe zu täuschen. So wurde eine 95-Jährige am 17.11.2009 um mehr als 10 000 Euro betrogen. Eine angebliche Verwandte hatte um das Geld für eine größere Anschaffung gebeten. Nachdem die Seniorin das Geld von ihrem Sparbuch abgehoben hatte, übergab sie es einer Freundin der Anruferin auf der Straße.
Bereits Anfang November waren auf diese Art einer 80-Jährigen 5.000 Euro und einer 87-jährigen Geschädigten über 6000 Euro abgenommen worden.
In Gummersbach versuchten unbekannte Täter am 12.11.09 unter Anwendung des so genannten Enkeltrickbetrugs zwei Seniorinnen, um ihre Ersparnisse zu erleichtern. Gegen 12:45 Uhr rief eine unbekannte männliche Person bei einer 81-Jährigen in Gummersbach-Strombach an. Unter Vorspiegelung falscher Identität bat er sie um Bargeld, das er gleich abholen wollte. Die 81-Jährige rief bei Verwandten an, wo sie erfuhr, dass der Anrufer kein Angehöriger sei. Daraufhin meldete sie den Vorfall der Polizei. Gegen 14:00 Uhr riefen vermutlich die gleichen Täter bei einer 90-Jährigen in Gummersbach-Becke an. Auch hier gingen sie genau so vor. Da die Frau Verdacht schöpfte, rief sie zunächst ihre Tochter an, die ihr riet, sich bei der Polizei zu melden.
Die Polizei rät:
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